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Ich
habe John zum ersten Mal im Januar 1998 auf einem Flug mit Singapore
Airlines nach Neuseeland getroffen. Wir unterhielten uns darüber,
wie wir die Illustration von Tolkiens Werken angingen, und John
sprach passioniert über die Notwendigkeit, Fantasy auf einer
Grundlage von Authentizität zu begründen.
Er erwähnte auch, dass er ein paar Objekte aus seiner eigenen
Sammlung mittelalterlicher Artefakten und Nachbildungen mitgebracht
hatte, als Inspiration und Referenz. Am Flughafen von Auckland
wartete ich auf ihn, und als er schließlich herauskam,
war sein Kofferkuli hoch beladen mit Kisten und Kästen,
die seine Schilde, Schwerter und Rüstung enthielten, seinen
Langbogen über die Schulter geschlungen. „Aber John, wo
ist dein Koffer?“ fragte ich. Wir blickten zurück durch
die Tür und sahen ihn einsam und allein in der Zollabfertigung,
aber zwischen uns und dem Koffer waren ein Schild mit der Aufschrift „Zutritt
verboten“ und ein Mann, der aussah wie ein kanadischer Mountie.
John brauchte eine weitere halbe Stunde, um die Herausgabe dieses
düster aussehenden Objektes auszuhandeln, während ich
auf sein Arsenal mittelalterlicher Waffen aufpasste, und wir
erwischten gerade noch unseren Flug nach Wellington.
So begannen unsere Freundschaft und unser Beitrag zu dem Abenteuer,
das Aussehen Mittelerdes für Peter Jacksons Filmtrilogie „Der
Herr der Ringe“ zu entwerfen. Wir teilten uns ein Studio bei
Weta, wo wir mit Richard Taylors Designern an Kreaturen, Rüstungen
und Waffen sowie der langen Liste der Miniaturen arbeiteten,
die für die Filme entworfen werden sollten. Wir diskutierten
viel untereinander und mit Richard und Grant Major, dem „Production
Designer“, und natürlich mit Peter, der uns immer wieder
anspornte, Dinge, die wir beide schon oft gezeichnet hatten,
aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Unsere Aufgaben
schienen uns ganz natürlich aufzuteilen: John konzentrierte
sich auf die dunkleren Aspekte Mittelerdes – die wilden Kreaturen,
den Balrog, Barad-Dûr, Minas Morgul und das Schwarze Tor
usw., während ich überwiegend auf der sicheren Seite
des Anduin blieb. Es gab aber Ausnahmen, und Johns Entwürfe
für die Bockenburg-Fähre, das Gasthaus Grüner
Drachen und das so wunderbar detaillierte Beutelsend würden
selbst dem kritischsten Hobbit gefallen.
John ist äußerst produktiv, er erstellt phantastische
Zeichnungen in den kurzen Momenten, wenn sein turbogeladener
Metabolismus ihm erlaubt stillzusitzen – dann ist er wieder auf
und davon in der Waffenschmiede von Weta, um eine halbe Stunde
später mit einer Handvoll orkischer Pfeilspitzen zurückzukommen,
die er gerade geschmiedet hatte. Diese Energie wird in vielen
seiner Skizzen deutlich, wo sich etwa ein Gollum, oder ein Ringgeist,
ein Heft für eins der vielen wundervollen Schwerter, die
er entworfen hat, und ein Konzeptentwurf für Kankras Höhle
den Platz auf ein und demselben Blatt Papier streitig machen.
Nachmittage wurden unterbrochen durch den gelegentlichen Schlagabtausch
bei improvisierten Duellen zwischen John und den Waffenschmieden
im Hof von Weta.
Johns Wissen über die Welt des Mittelalters war eine Inspiration
für alle von uns, die mit ihm arbeiteten, und seine Leidenschaft
für Authentizität bei Waffen, Rüstungen und Kampfstilen,
gefestigt durch seine Erfahrung als Illustrator und seine langjährige
Beteiligung an mittelalterlichen Nachspielen wird sich in vielen
der dramatischeren Szenen der Filme widerspiegeln.
Seine Bilder halten die lebhaftesten Augenblicke fest. Das Detail
und der Umfang seiner Bilder sind immer beeindruckend, er nimmt
den Blick des Betrachters in immer größere Höhen
mit. Er ist ein echter Experte der Gotik in seiner Kunst und
in der Lebhaftigkeit seines Verstandes, seiner unersättlichen
Neugier und seiner ehrlichen Liebe sowohl für die Werke
des Rittertums als auch dessen Aufmachung.
Ich glaube, John wäre vollkommen glücklich als mittelalterlicher
Schreiber, der die Ränder seiner Manuskripte mit wildwuchernden
pulsierenden Zeichnungen bedeckt, oder als Handwerker, der hoch
oben auf dem Turm einer Kathedrale ein endloses Netzwerk aus
Kreaturen und Figuren erschafft, aber zum Glück für
uns erreichen seine Werke ein breiteres Publikum durch seine
Bücher und Entwürfe für Filme.
Seine Liebe und sein Respekt für Tolkiens Welt werden deutlich
in der Vorstellungskraft seiner Illustrationen und der Integrität,
die er in allen Aspekten seiner Entwürfe zum Ausdruck bringt.
Große Teile Mittelerdes nahmen durch Johns ehrfurchtgebietende
Strukturen Form an. Sein Barad-Dûr, auf das man zwischen
wirbelnden Dunstwolken einen kurzen Blick erhascht, wird sich
vielen als ein unvergessliches Bild einprägen, wie auch
sein zielstrebig durch das Auenland marschierender Gandalf.
Dieses Bild, und ein paar kostbare Fotos werden mich an eine
der angenehmeren Facetten unserer Erfahrung in Neuseeland erinnern:
die Erkundung seiner Hügel, Wälder und Berge auf der
Suche nach möglichen „Locations“. Ich bin ziemlich fit geworden
bei den Versuchen, mit Peter Jackson Schritt zu halten, aber
John schien überall gleichzeitig zu sein – eine winzige
Silhouette, die links auf einem Felsen steht, dann eine entschlossene
Figur, die rechts über einen Hang marschiert, während
eine Herde Schafe vor ihm auseinanderläuft wie Orks vor
Anduril. Er hat seine Erfahrung hier aufgesogen mit einer Begeisterung,
die ich nur bewundern konnte. Ich freue mich darauf zu sehen,
wie sie in seinen zukünftigen Werken zum Ausdruck kommen
wird.
Alan Lee
Dies sind die letzten Worte (und von jemand Berühmtem noch
dazu!) in "Myth & Magic
- The Art of John Howe" (am Anfang
stehen auch berühmte Worte, in der Form von Peter Jacksons
Vorwort). Ich schulde Alan viele Gefallen, für seine Großzügigkeit,
sein unglaubliches Talent, für den Weg, den wir von Hobbingen
bis in weit entfernte Gegenden zusammen gegangen sind.
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